Startseite > Beitrag > Streubesitzdividenden werden besteuert

Wir beraten persönlich

tax · legal · audit · advisory

Streubesitzdividenden werden besteuert

06.03.2013

Der Vermittlungsausschuss von Bund und Länder ist, nach erfolgter Ablehnung durch den Bundesrat im Dezember des letzten Jahres, hinsichtlich der Besteuerung von Streubesitzdividenden, nun zu einem Ergebnis gekommen. Der Bundestag hat am 28. Februar 2013 und der Bundesrat am 1. März 2013 dem Vermittlungsergebnis zugestimmt. Das nun beschlossene Gesetz sieht vor, dass Dividendenerträge inländischer Kapitalgesellschaften, welche zu weniger als 10% an der ausschüttenden Kapitalgesellschaft beteiligt sind, vollumfänglich der Körperschaftssteuerpflicht unterfallen.

Mit dieser Gesetzesänderung soll das Urteil des Europäischen Gerichtshofes in der Rechtssache C-284/09, welches die Gleichbehandlung zwischen in- und ausländischen Kapitalgesellschaften in der Kapitalertragsbesteuerung vorsieht, umgesetzt werden.

Im Rahmen dieses Gesetzgebungsverfahrens soll § 8b Abs. 4 KStG neu gefasst werden. Es werden nun Dividendenerträge – abweichend von § 8b Abs. 1 KStG – bei der Ermittlung des Einkommens als steuerpflichtig behandelt, sofern die Beteiligung an der ausschüttenden Kapitalgesellschaft zu Beginn des Kalenderjahres unmittelbar weniger als 10 Prozent des Grund- oder Stammkapitals betragen hat (so genannter Streubesitz). Der Ersterwerb einer Beteiligung im laufenden Jahr von mindestens 10% sowie die unterjährige Aufstockung auf mindestens 10 % werden, nach unserem gegenwärtigen Kenntnisstand, auf den Anfang des Kalenderjahres zurückfingiert, sodass folglich kein Streubesitz vorliegt und auch keine Steuerpflicht ausgelöst wird.

Bei der Ermittlung der Höhe der Beteiligung wird auf jede Kapitalgesellschaft einzeln abgestellt. Dies bedeutet, dass Anteile in einem Konzern oder in einem körperschaftsteuerlichen Organkreis nicht zusammengerechnet werden. Da Personengesellschaften ertragsteuerlich transparent behandelt werden, werden die Anteile, die eine Personengesellschaft hält, dem Anteilseigner der Personengesellschaft anteilig zugerechnet und ggf. dort für Zwecke der Ermittlung der Beteiligungshöhe saldiert.

Als Folge der Körperschaftsteuerpflicht entfällt bei Streubesitzdividenden die fiktive Entstehung von nicht abzugsfähigen Betriebsausgaben in Höhe von 5% der Dividende. Der vollständige Betriebsausgabenabzug bleibt erhalten.

Da die Kürzung des Gewerbeertrages gem. § 9 Nr. 2a GewStG an eine Mindestbeteiligungshöhe von 15 % gekoppelt ist, unterliegen Streubesitzdividenden nunmehr einer Steuerbelastung von ca. 30 % statt bislang 14,8 %.

Die Steuerpflicht gilt für alle Dividenden, welche nach dem 28. Februar 2013 einer Kapitalgesellschaft zufließen.

Für die Vergangenheit wird den ausländischen Gesellschaften die einbehaltene Kapitalertragsteuer erstattet.

Gewinne aus der Veräußerung von Streubesitzanteilen bleiben jedoch weiterhin steuerfrei.

Die dargestellte Neuregelung betrifft nur Dividenden, die eine Kapitalgesellschaft (ggf. über eine Personengesellschaft) von einer Kapitalgesellschaft bezieht. Auf die Besteuerung von natürlichen Personen als Anteilseigner hat sie keine Auswirkung, d. h. für Dividenden, die eine natürliche Person von einer Kapitalgesellschaft bezieht, gilt weiterhin die Abgeltungssteuer bzw. das Teileinkünfteverfahren.

Die Erhöhung des Steuersatzes auf Streubesitzdividenden von quasi 14,8 % auf ca.

30 % kann unter Umständen vermieden werden. Darüber hinaus ist gegebenenfalls auch eine Absenkung der Steuerbelastung auf 1,5% möglich. Wir erläutern Ihnen gern Handlungsalternativen.

Ansprechpartner:

Sören Münch, Steuerberater

Maximilian Lilienthal, Steuerberater