Startseite > Beitrag > Korrespondierende Abzinsung unverzinslicher Forderungen?

Wir beraten persönlich

tax · legal · audit · advisory

Korrespondierende Abzinsung unverzinslicher Forderungen?

25.01.2012

Die Beratungspraxis zeigt, dass, insbesondere im Rahmen von steuerlichen Außenprüfungen, die Abzinsung von unverzinslichen Verbindlichkeiten (z.B. Gesellschafterdarlehen) Gegenstand von fachlichen Diskussionen ist. Der Ertrag aus der erstmaligen Abzinsung der Verbindlichkeit führt dabei regelmäßig zu zusätzlichen Steuernachzahlungen. Diesen Steuernachzahlungen steht jedoch kein Liquiditätszufluss gegenüber; vielmehr erfolgt durch die Aufzinsung in den Folgejahren ein entsprechender aufwandswirksamer Umkehreffekt.

Da der Verbindlichkeit stets eine ebenfalls unverzinsliche Forderung gegenübersteht, stellt sich die Frage, ob die Teilwertabschreibung der Forderung korrespondierend vorgenommen werden kann. Die erstmalige Teilwertabschreibung würde in diesem Fall zu einem korrespondierenden Aufwand führen und somit aus Konzernsicht möglicherweise zur Steuerneutralität.

Die vorstehende Fragestellung wurde dem Finanzgericht Münster zur Entscheidung vorgelegt. Mit Urteil vom 11. April 2011 kommt das Finanzgericht zur Auffassung, dass der Teilwert einer unverzinslichen Forderung grundsätzlich niedriger ist als ihr Nennwert. Das Gericht führt allerdings weiterhin aus, dass beim Bestehen einer Beteiligung von 100% die Unverzinslichkeit eines Gesellschafterdarlehens nicht zu einer Minderung des Teilwerts der Darlehensforderung führt. Vielmehr bewirkt die fehlende Verzinsung auf Ebene der Tochtergesellschaft eine Steigerung der Ertragskraft und führt somit zu einer Kompensation der Unverzinslichkeit. Dem steht laut Auffassung des Finanzgerichts auch nicht entgegen, dass die korrespondierende Verbindlichkeit zwingend abzuzinsen ist.

Die vorstehende Argumentation erscheint fragwürdig, da Sie unseres Erachtens gegen den Grundsatz der Einzelbewertung verstößt. Das Verfahren ist gegenwärtig beim BFH anhängig (Aktenzeichen: BFH – I R 43/11). Über den Ausgang des Verfahrens werden wir selbstverständlich informieren.

Der Vollständigkeit weisen wir jedoch darauf hin, dass der BFH bereits in einem anderen Verfahren entschieden hat, das bei festverzinslichen Wertpapieren, die eine Forderung in Höhe des Nominalwerts der Forderung verbriefen, eine Teilwertabschreibung regelmäßig nicht zulässig ist, da es an einer dauernden Wertminderung fehlt (BFH-Urteil vom 8. Juni 2011, I R 98/10). Der 1. Senat führt aus, dass ein Absinken aufgrund von Kursschwankungen nicht von Dauer ist, wenn die Rückzahlung des Gesamtbetrages sichergestellt ist. Daher erscheint es unseres Erachtens auch denkbar, dass der BFH von der Würdigung des FG Münster abweicht und eine Teilwertabschreibung auf die Forderung verneint, da es an einer voraussichtlich dauernden Wertminderung fehlt.

Ungeachtet dessen empfehlen wir Ihnen bei bereits realisierten Sachverhalten, insbesondere im Rahmen von steuerlichen Außenprüfungen, die Teilwertabschreibung von unverzinslichen Forderungen zu beantragen (Bilanzänderung). Sofern die Vertragsmodalitäten jedoch noch gestaltet werden können, ist es unseres Erachtens erforderlich, die vorstehenden steuerlichen Konsequenzen in Ihre Überlegungen einzubeziehen und gegebenenfalls eine geringfügige Verzinsung zu vereinbaren. Gerne unterstützen wir Sie hierbei.

Ansprechpartner:

Arell Buchta, Rechtsanwalt, Steuerberater