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Abschlussprüferaufsichtsreformgesetz: Werden Verstöße künftig härter sanktioniert?

16.10.2015

Am 1. Juli 2015 wurde durch das Bundeskabinett das Abschlussprüferaufsichtsreformgesetz (APAReG) beschlossen, welches berufsrechtliche Regelungen nunmehr deutlich strenger auslegt. Was war passiert?

Bereits seit dem Jahr 2006 erfolgt durch die Abschlussprüfer-Aufsichtskommission (APAK) jährlich der Hinweis auf deutliche Defizite im System der Qualitätskontrolle und Abweichungen von den EU-Vorgaben. Unter anderem wurde auf Mängel im Auswahlverfahren der Prüfer für Qualitätskontrolle sowie fehlende Sanktionsmöglichkeiten bei Feststellungen schwerer Berufspflichtverletzungen hingewiesen.

Ein erster Schritt zur Behebung der Defizite erfolgte im Jahr 2010. Gemeinschaftlich mit dem Berufsstand wurden Vorschläge zur Reform der Berufsaufsicht und Qualitätskontrolle erarbeitet.

Im Jahr 2011 wurde durch die APAK eine zusätzliche Empfehlung zur Einführung einer Sanktionierungsmöglichkeit von Berufsgesellschaften abgegeben.

Die jährlichen Feststellungen und Empfehlungen der APAK resultierten im Jahr 2014 in einen Appell, die EU-Reform 2014 zur stringenten und konsequenten Weiterentwicklung und Stärkung der öffentlichen Aufsicht über Abschlussprüfer zu nutzen.

Nach fast 10 Jahren ohne vollständig wirksame Berufsaufsicht und Qualitätskontrolle wurde die EU-Reform sodann genutzt, um die längst fällige Neustrukturierung und Stärkung der Abschlussprüferaufsicht sowie Änderungen des Berufsrechts in die Wege zu leiten.

Damit soll auch erreicht werden, das Vertrauen der Anleger in die Ordnungsmäßigkeit und Zuverlässigkeit der Unternehmensabschlüsse zu stärken sowie Wirksamkeit und Transparenz der Aufsicht zu erhöhen.

Im Einzelnen werden folgende Eckpunkte geregelt:

  • Vorschlag zur Änderung der Wirtschaftsprüferordnung (WPO)
  • Vorschlag zur Einführung eines Gesetzes zur Einrichtung einer Abschlussprüferaufsichtsstelle beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
  • neue oder strengere berufsrechtliche Regelungen, etwa zum Qualitätssicherungssystem, zu den Unabhängigkeitsanforderungen an Abschlussprüfer und zu Dokumentationspflichten
  • Zulässigkeit von Erleichterungen für kleinere und mittelgroße Prüferpraxen zur Vermeidung übermäßiger bürokratischer Belastungen
  • Möglichkeit einer einheitlichen und zügigen Sanktionierung von Berufspflichtverstöße, auch gegen Prüfgesellschaften
  • Möglichkeit zur Einleitung von berufsaufsichtlichen Verfahren und von Sanktionen von bereits bei Qualitätskontrollen festgestellten Berufspflichtverstößen

Zusammenfassend ist das APAReG ein wichtiger Schritt, um die Berufsaufsicht und das Verfahren der Qualitätskontrolle wirksam zu regeln und zu gestalten.

BMWi, Pressemitteilung vom 1. Juli 2015

Tätigkeitsberichte der APAK (2005-2014)

Ihre Ansprechpartner:

Dr. Frank Juckel, Wirtschaftsprüfer

Achim Jäkel, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater

 

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