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Vorsteuerabzug von Holdinggesellschaften

14.03.2012

Mit dem am 7. März 2012 veröffentlichten Urteil vom 9. Februar 2012 (V R 40/10) hat der Bundesfinanzhof (BFH) über die bislang kontrovers diskutierte Frage des Umfangs des Vorsteuerabzug von Holdinggesellschaften entschieden.

Im zu entscheidenden Fall war die Holding insgesamt an ca. 50 Gesellschaften beteiligt. Das Halten und Verwalten von Beteiligungen an Gesellschaften stellt regelmäßig keine wirtschaftliche Tätigkeit dar, so dass die Beteiligungen nicht dem Unternehmensvermögen zuzuordnen sind und insoweit kein Vorsteuerabzug geltend gemacht werden kann. Neben dem Halten und Verwalten der Beteiligungen erzielte die Holding Umsätze aus Beratungsleistungen, die sie gegenüber drei Tochtergesellschaften erbrachte. Diese Beteiligungen waren entgegen dem Grundsatz dem Unternehmensvermögen zuzuordnen, da insoweit eine wirtschaftliche Tätigkeit gegeben ist (u.a. Eingriff in deren unmittelbare Verwaltung). Insoweit war der Vorsteuerabzug, auch aus den anteiligen Gemeinkosten, zu gewähren.

Der BFH hat nunmehr entschieden, dass eine Holdinggesellschaft, deren Hauptzweck das Halten von Beteiligungen ist und die entgeltliche Leistungen nur als Nebenzweck erbringt, aus den allgemeinen Kosten höchstens einen Vorsteuerabzug in Höhe von 50 % geltend machen kann. Soweit Aufwendungen einem Bereich direkt zuordenbar sind, ist der mit diesen Aufwendungen im Zusammenhang stehende Vorsteuerabzug davon abhängig, ob erzielten Ausgangsumsätze einen Vorsteuerabzug zulassen.

Vor dem Hintergrund dieses Urteils ist zu befürchten, dass die Finanzverwaltung zukünftig den Vorsteuerabzug von Holdinggesellschaften aus Gemeinkosten problematisieren und auf 50 % begrenzen wird.

Sofern die Beteiligungen aufgrund der tatsächlichen Gegebenheiten im Einzelfall überwiegend dem Unternehmensvermögen einer Holdinggesellschaft zuzurechnen sind, sollte auch ein höherer Vorsteuerabzug aus den allgemeinen Kosten möglich sein.

Ansprechpartner:

Sören Münch, Steuerberater