Startseite > Beitrag > FG Münster: Verlustrücktrag trotz schädlichen Beteiligungserwerbs

Wir beraten persönlich

tax · legal · audit · advisory

FG Münster: Verlustrücktrag trotz schädlichen Beteiligungserwerbs

13.09.2016

Nach § 8c Abs. 1 Satz 1 KStG sind die bis zu einem Beteiligungserwerb nicht genutzten Verluste steuerlich anteilig oder komplett nicht mehr abziehbar, wenn durch den Erwerb innerhalb von fünf Jahren mittelbar oder unmittelbar mehr als 25 % des gezeichneten Kapitals, der Mitgliedschaftsrechte, Beteiligungsrechte oder der Stimmrechte an einen Erwerber oder einer diesem nahestehenden Person übertragen werden (schädlicher Beteiligungserwerb). Mit seinem Urteil vom 21. Juli 2016 entschied das Finanzgericht Münster, dass die Regelung des § 8c Abs. 1 Satz 1 KStG zwar perspektivisch zum Untergang der Verluste führe, jedoch die Möglichkeit eines Verlustrücktrags nicht einschränke (Az. 9 K 2794/15 K,F).

Im Streitfall hatte die Finanzverwaltung unter Berufung auf das BMF-Schreiben vom 4. Juli 2008 (BStBl. I 2008, 736) die Auffassung vertreten, dass ein durch die die Klägerin im Jahr 2013 entstandener Verlust nur anteilig zurückgetragen werden könne, da zuvor 50 % der Anteile einer Anteilseignerin der Klägerin auf die beiden anderen Gesellschafter übertragen wurden.

Das Finanzgericht Münster begründete die Zulässigkeit des Verlustrücktrags im vollen Umfang damit, dass wirtschaftlich nur diejenigen Anteilseigner den (zurückgetragenen) Verlust weiterhin nutzten, welche ihn zuvor auch erwirtschaftet hatten. Damit sei die Regelungssystematik des § 8c Abs. 1 Satz 1 KStG, welcher verhindern wolle, dass früher entstandene Verluste durch einen Beteiligungserwerb übertragen und durch personell veränderte Gesellschaften genutzt werden können, nicht auf den Fall des Verlustrücktrags anzuwenden.

Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Streitfrage hat das Finanzgericht Münster die Revision zum BFH zugelassen.

Ihre Ansprechpartner:

Arell Buchta, Rechtsanwalt, Steuerberater

Isabelle Steudel, Steuerberaterin